Statement zur Corona-Krise

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Was uns als Gemeinschaft im Jahr 2020 wesentlich mehr belastet hat, als die Corona-Krise an sich, ist die Spaltung der Gesellschaft durch die „Glaubensfragen“ rund um das Virus und die politischen Reaktionen darauf. Auch in unserem erweiterten Kreis gibt es Menschen, die ihren Unmut über die Maskenpflicht und andere Regierungsmaßnahmen bei sogenannten Hygiene-Demos kundtun.

Kritik an den staatlich verordneten Maßnahmen und das Hinterfragen von Informationen sind wichtig und darum üben wir uns seit Jahren darin. Das gilt selbstverständlich auch in der Corona-Krise. Nicht alles, was in den Nachrichten gesagt wird, ist wahr – aber das gleiche gilt auch für Online-Blogs und Youtube-Videos.

Klärungsbedarf haben wir festgestellt, als bei den Demonstrationen in Berlin (von der „Querdenker“-Bewegung) und in Weiden (von der Gruppe „Friedenshelden“) Personen und Gruppen aus dem rechten Spektrum aufgefallen sind – Seite an Seite mit Menschen aus unserer Gemeinschaft.

Im September haben wir daher eine Gesprächsrunde durchgeführt, um über die Beweggründe zu diskutieren und konnten rasch das eigentliche Problem identifizieren, das sind nämlich nicht die Masken: Mit Faschisten und deren Sympathisant*innen auf die Straße zu gehen – und sei es für einen noch so guten Zweck – ist für uns unter keinen Umständen akzeptabel.

Viele der Verschwörungsideologien, die während der Corona-Krise Aufwind gewonnen haben, basieren auf rassistischen Vorurteilen, schüren Ängste in der Bevölkerung und erinnern an mittelalterliche Mythen: Jüdische Weltverschwörung, das angebliche Fortbestehen des deutschen Kaiserreichs bis heute, satanistischer Kindesmissbrauch durch gesellschaftliche Eliten und ähnliches.

Wir denken, dass die endlose Diskussion über mögliche Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf unsere privilegierte Gesellschaft uns von den wirklich wichtigen Problemen ablenkt – zum Beispiel sterben noch immer jeden Tag Menschen auf der Flucht vor Armut, Krieg und Klimawandel an den Grenzen Europas. Wir setzen uns dafür ein, die grundlegenden Rechte dieser Menschen auf Leben, Bewegungsfreiheit und Teilhabe zu verteidigen.

Soziale Ungerechtigkeit, Polizeigewalt und Überwachung gibt es in der BRD nicht erst seit diesem Jahr. Wir kritisieren diese Missstände nicht erst dann, wenn sie uns selbst betreffen und halten das System als Ganzes für das Problem – nicht einzelne Politiker*innen oder Expert*innen.

Die Verbreitung von einfachen Erklärungen für gesellschaftliche Probleme und Krisen (die für uns alle schwer zu verstehen sind) öffnet daher Türen für menschenfeindliche Ideologien – und das halten wir für brandgefährlich. Auf keinen Fall dulden wir sie deswegen im Rio-Raum.

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