Unser Selbstverständnis

Plenum

Wir treffen uns zwei- bis dreimal im Monat, um aktuelle Themen und Entscheidungen rund um die Vereine und den Rio-Raum zu besprechen. Diese Treffen nennen wir Plenum. Eingeladen sind dazu alle, die sich in unserer Gemeinschaft engagieren.

Zu Beginn gibt es eine „Wie-geht’s-mir“-Runde, in der reihum jede*r sagen kann, wie es der Person gerade geht. Das trägt dazu bei, uns gegenseitig besser zu verstehen. Dann kann jede*r in der Runde Punkte nennen, die der Mensch gerne besprechen möchte und wir gehen sie der Reihe nach durch.

Es wird jedes Mal eine andere Person bestimmt, die das Gespräch moderiert. Diese achtet darauf, dass alle ausreden können und nicht immer die gleichen Personen reden.

Wenn Entscheidungen getroffen werden, hören wir vorher alle Meinungen an. Wir versuchen, einen Konsens zu erzielen, das heißt, eine Entscheidung zu treffen, die alle Betroffenen mittragen können. Wenn das nicht möglich ist, finden wir einen Konsent, das heißt, eine Lösung, gegen es die zumindest keine Einwände gibt.

Selbsthinterfragung

Wir sind uns bewusst, dass unsere Gemeinschaft zum größten Teil aus weißen, deutschen Personen aus der Mittelschicht besteht. Daher versuchen wir immer, unsere Sichtweise zu hinterfragen und auch Standpunkte einzubeziehen, die uns vielleicht nicht gleich bewusst sind.

Wir sind alle in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der die Diskriminierung bestimmter Gruppen als normal betrachtet wird. Daher kann es immer wieder passieren, dass wir in manchen Situationen unsensibel (re-)agieren. Jedoch verbindet uns der Wunsch, es in Zukunft immer besser zu machen und wir sprechen auch solche Vorfälle offen und ohne Schuldzuweisungen an.

Wir verstehen uns als undogmatisch, also wir wollen uns im Hier und Jetzt nicht auf einen Plan, eine Strömung oder einen einzigen schlauen Menschen beziehen. Stattdessen wollen wir in einem ständigen Prozess Zukunftsvisionen und Handlungspläne schmieden, ohne uns dabei festzufahren.

Was wir wollen

Wir sehen uns als Raum, in dem eine bessere Zukunft schon mal ausprobiert werden kann. Eine selbstverwaltete Gemeinschaft mit dem Interesse, eine Alternative zum Mainstream zu leben und zu bieten. Das bedeutet für uns auch, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen, global zu denken und regional zu handeln. Das können wir natürlich nicht alleine schaffen, deswegen sind wir grundsätzlich offen für die Zusammenarbeit mit verschiedensten Gruppen und Menschen, die diese Werte teilen. Hier findest du ein paar Beispiele KLICK.

Wir stehen jeder Art von Faschismus und Diskriminierung klar entgegen. Das bedeutet für uns, aktiv Widerstand gegen rechte Gesinnungen und Gruppen zu leisten, zum Beispiel bei Demonstrationen.

Bei uns soll kein Mensch wegen seiner Herkunft, Religion, wegen seines Aussehens oder Geschlechts, seiner sexuellen Orientierung, seines sozialen Status oder wegen einer Behinderung diskriminiert werden. Wer damit nicht einverstanden ist, hat bei uns nichts zu

suchen. Wir behalten uns vor, bei schwerwiegenden oder wiederholten Verstößen gegen das Selbstverständnis Menschen des Raums zu verweisen und vom Verein auszuschließen.
Denn: Intoleranz wird bei uns nicht toleriert.

Tauschlogikfreiheit

Wir glauben an die Möglichkeit einer Welt, die sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten aller Menschen orientiert. Das bedeutet, dass jede*r das bekommt, was gerade benötigt wird und das gibt oder leistet, was gerade möglich oder verfügbar ist und zwar unabhängig von Geld oder Eigentum.

Im Rio-Raum musst du nichts kaufen und kein Geld bezahlen, um ein Teil der Gemeinschaft zu sein oder eine schöne Zeit zu haben. Alles läuft auf Basis freiwilliger Spenden. Das Geld, das so zusammenkommt, wird ausschließlich für die Raummiete, den Hauskauf und unsere gemeinnützigen oder kulturellen Projekte verwendet. Kein Mensch bereichert sich daran.

Ein praktisches Beispiel ist auch unser „Umsonstladen“, in dem Klamotten abgegeben werden können, die eine Person nicht mehr benötigt und jede*r mitnehmen kann, was gefällt. Ohne dass dafür bezahlt werden muss. Das gilt für alle, ohne dass eine „Bedürftigkeit“ vorliegen müsste. Wir hoffen, dieses Konzept in Zukunft auch auf andere Gegenstände und Ressourcen ausweiten zu können.

Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist die Foodsharing-Initiative, die es mittlerweile auch in Weiden gibt. https://foodsharing.de/